Risiko
Subjektive Risikowahrnehmung
Objektive Risikomessung
Verlustrisiken und Volatilität in Abhängigkeit der Beteiligungsform
Subjektive Risikowahrnehmung
Jeder Privatanleger weiß aus allgemeiner Lebenserfahrung, dass selbst langjährig etablierte Unternehmen wegen struktureller Marktveränderungen, Managementfehlern oder verfehlter wirtschaftspolitischer Entscheidungen scheitern können. Empfindliche Kapitalverluste für Eigen- und Fremdkapitalgeber sind die Folge. Von Privatanlegern wird die Unternehmensbeteiligung daher vor allem mit hohen Risiken assoziiert.
Insbesondere im deutschsprachigen Raum haben sich für Private Equity Synonyme wie "Wagnisfinanzierung" und "Risikokapital" etabliert. Die subjektiv geprägte Risikowahrnehmung verbunden mit der starken Sicherheitsorientierung der Anleger bewirkt, dass Private Equity bisher kaum in den privaten Vermögensaufbau einbezogen wird.
Der Schlüssel zur Lösung des Widerspruchs zwischen dem aufgeschlossenen Investitionsverhalten ausländischer institutioneller Investoren (z.B. US-Pensionskassen) und dem zurückhaltenden Anlageverhalten der Privatanleger liegt in der objektiven Analyse der Risikoaspekte unter Berücksichtigung der verschiedenen Beteiligungsformen (Direktbeteiligung, Fonds, Dachfonds).
Objektive Risikomessung
Kapitalverlust
Privatanleger sind in hohem Maße sicherheitsorientiert. Wichtigste Risikokategorie für Privatanleger ist daher das Ausfallrisiko, das heißt das Risiko, die einbezahlte Kapitaleinlage nur teilweise zurückzuerhalten (Teilverlustrisiko) oder vollständig zu verlieren (Totalverlustrisiko).
Volatilität
Es ist üblich, das Risiko einer Kapitalanlage mit Hilfe der Volatilität zu bestimmen. Die Volatilität misst - vereinfacht - den Grad der Schwankung der Wertentwicklung eines einzelnen Investments um einen Durchschnittswert. Je höher die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein einzelnes Investment von den Durchschnittswerten für die Anlageklasse deutlich abweicht, desto riskanter wird das Investment eingestuft.
Liquidität
Private Equity ist grundsätzlich eine langfristig nicht liquide Kapitalanlage. Die Rendite entsteht durch das Einbringen von Kapital in den unternehmerischen Wertschöpfungsprozess. Dieses Kapital kann den Unternehmen in der Regel nicht kurzfristig entzogen werden.
Maßnahmen, um dem Kern nach illiquide Anlageformen wie Private Equity liquide zu halten, sind grundsätzlich mit zusätzlichen Kosten verbunden und beeinträchtigen die Rendite des Beteiligungsprodukts negativ. Zudem gehört es zu den zentralen Erfahrungen der Finanzkrise 2007/08, dass gerade solche "Produktinnovationen", die langfristig investiertes Kapital kurzfristig verfügbar machen sollten, den Belastungen einer durch Vertrauensverlust geprägten Finanzkrise nicht standhalten. Da wegen des teilweise panikartigen Vertrauensverlustes ein unplanmäßig hoher Anteil der Anleger seine Liquidität aus dem Investment zurückfordert, kommt es trotz langfristig substanzstarker Vermögenswerte zur Insolvenz durch Illiquidität bzw. müssen die Vermögenswerte zu den wegen den irrationalen Marktbedingungen unverhältnismäßig niedrigen Marktpreisen im Rahmen von Notverkäufen "verschleudert" werden.
Insofern liegt der Schlüssel zur Vermeidung von Risiken aus der fehlenden Liquidität nicht in kostenintensiven Liquiditäts- und/oder Kapitalgarantien, sondern in der richtigen Fristenkombination der Kapitalanlagen im Portfolio des Privatanlegers selbst und - vorgelagert - in der Absicherung existenzieller Risiken, wie etwa Berufsunfähigkeit oder Krankheit.
Verlustrisiken und Volatilität in Abhängigkeit der Beteiligungsform
Pauschale Aussagen, insbesondere über das Ausfallrisiko von Private Equity Investitionen, vernachlässigen regelmäßig die Tatsache, dass die verschiedenen Beteiligungsformen (Direktbeteiligung, Fonds, Dachfonds) bedingt durch den ansteigenden Diversifikationsgrad (Streuungsbreite) sehr unterschiedliche Risikoprofile aufweisen.
Mit zunehmender quantitativer Streuung verringert sich das Ausfallrisiko deutlich. Ursache ist die im Fondsgedanken umgesetzte Strategie der Streuung des Gesamtrisikos einer Kapitalanlage auf viele voneinander unabhängige Einzelrisiken. Der Zusammenhang zwischen dem Kapitalverlust bei Insolvenz eines Unternehmens und einem Kapitalverlust auf Ebene des Anlegers wird dabei durchbrochen. Total- und Teilverluste einzelner Unternehmen können durch die überdurchschnittliche Wertentwicklung anderer Unternehmen ausgeglichen werden.
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Quelle: Weidig/Mathonet (2004): Das Risikoprofil von Private Equity Investitionen (Die Untersuchungsergebnisse beruhen auf Vergangenheitswerten. Vergangenheitswerte bieten keine Gewähr für zukünftige Entwicklungen.)
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Quelle: Weidig/Mathonet (2004): Das Risikoprofil von Private Equity Investitionen (Die Untersuchungsergebnisse beruhen auf Vergangenheitswerten. Vergangenheitswerte bieten keine Gewähr für zukünftige Entwicklungen.) Eigene Darstellung in Anlehnung an Kraft (2001)